23./24.3.2016: El Jadida, Community Day

Gestern waren wir wieder mit Team 4 in El Jadida. War ein richtig, richtig kalter Regentag, brrr. Hab im Zimmer dann abends sogar Mütze angezogen sowie Hemd, Unterhemd, Vlies und Pulli angehabt.

Wir konnten dort noch mit einer Dame der Stadtverwaltung, die auch ehrenamtlich aktiv ist, sprechen und deren Einschätzungen abfragen. Dann hatten wir Mid Term Review mit DOT und NEF („alles gut“) und ein Ortstermin in einem nicht mehr aktiven Kleinindustriegründerzentrum zu deren Erfahrungen. Mittags waren wir in der Cité Portugaise essen, diesmal Tajine (Rind mit Pflaumen, lecker). Und im Laden des Vorstandes der Vereinigung dort, die wir besucht hatten, habe ich (ohne zu handeln, um ihm für sein Engagement zu danken) ein paar typische marokkanische Mitbringsel für meine lieben Kollegen gekauft, die mich dankenswerterweise gerade vertreten.

Bei unserem Bericht sind wir nun bei fast 50 Seiten plus Powerpointpräsentation und ein paar kleinere Dinge, die wir dem Projekt insbesondere fürs Marketing als „Extrameile“ mitliefern. Bin sehr gespannt wie der Klient unsere Ergebnisse aufnimmt und ob sie ihm helfen. Da steckt aber nun noch viel Arbeit drin, ist aber schwer abzuschätzen. Auf jeden Fall haben wir nicht soviel Druck vom Klienten wie andere Teams und müssen auch nicht täglich im Anzug und Krawatte vor Ort sein.

Abends war ich dann mit Frank und Saikat erstmals (außer dem Willkommensessen) im spanischen Restaurant im Erdgeschoß Fisch essen, war lecker. Als dann die spanische Sängerin und Tänzerin loslegte, war ich schon wieder im Zimmer arbeiten und konnte sie von dort genießen und stampfen hören (oder ist das im Nachbarzimmer????). Aber ab 12 ist dann immer Ruhe, seit es Beschwerden gab.

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Heute waren wir an unserem „Community Day“ den Vormittag an einem öffentlichen Gymnasium in Casablanca im Viertel nebendran um mit Schülern der Abschlußklassen über Karriereplanung und Berufsorientierung zu sprechen. Die Schule (1928 gegründet) war wohl vor einigen Jahren noch die beste in Marokko, hat aber durch verschiedene Bildungsreformen (Kopieren des franz. Schulsystems ohne Anpassung an Landesspezifika und international erfolgreichere Schulsysteme, Umstellung von Französisch als allgemeine Schulsprache auf nur noch Arabisch, obwohl an Uni und im Berufsleben dann überwiegend Französisch verlangt wird) gemäß unseren marokkanischen Begleitern diese Rolle an private (kostenpflichtige) Schulen verloren. Die ganze Bausubstanz und Einrichtung ist auch orginal aus den 50/60er Jahren, die Schulräume nackt und die Wände bekritzelt. Von daher eher ernüchternd, vorallem, da das Viertel eher ein gutes ist, die Schule lange Geschichte hat und die Schule mitten in Casa liegt (und nicht in armen, ländlichen Gebiet). Auf alten Bildern sieht man auch, dass das früher anders war und  man sah dort auch keine Kopftücher (hatten jetzt ca. 50% der Mädchen). Die Schüler waren aber sehr aufmerksam und hatten viele Fragen, nachdem wir uns vorgestellt und unserer Lebenswege geschildert hatten (interessant was man da noch von Kollegen erfuhr, was man noch nicht wußte). Da wir auf das Thema Hobbies kamen, hat eine Schülerin uns dann sogar ein bekanntes ägyptisches Lied vorgesungen. Gruselig war die „Schul/Pauseglocke“, Original Luftschutzalarm wie früher bei uns. Bin immer ganz erschrocken, wenn die losging.

In der Pause gab es Gebäck und Trinken. Ausschank übernahmen dann wir für die ca. 120 Schüler aus 3 Klassen, da weder Lehrer noch Organisatoren sich das trauten (?). Ist auch generell so, dass uns das bei der marokkanischen Meetingkultur auffiel, daß da alles sehr zurückhaltend ist und vieles in Unklarheit verharrt (Ausnahme ist da Projekt in Bank, da geht es sehr formal zu). Z.B. wurden wir heute in das Büro des Direktors geführt, er war auch da, aber eine richtige Begrüßung und Einführung gab es nicht; er war halt dann irgendwann weg nachdem er zwei kurze Sätze (die die meisten nicht mitbekamen) in den mit ca. 20 Leuten gefüllten Raum gesprochen hatte. Und irgendjemand kam dann und führte uns in Klassen, aber auch wieder ohne uns den anwesenden Lehrern vorzustellen, die einfach nur still am Rande standen. Auch die Organisatoren von DOT und der Bank, die das koordinierten, gingen nicht wirklich in „Führung“ an der Stelle. Man erfährt daher selten Start- oder Endtermine von Treffen oder dass sie überhaupt, wo oder nicht stattfinden. Von Agenda oder Teilnehmerlisten ganz zu schweigen. Auch werden Teilnehmer, die einem unbekannt sind, oft nicht vorgestellt (Rolle, Verantwortlichkeit, Beitrag zum Meeting/Fragestellung), sind einfach da und verschwinden ggf. mitten im Meeting und andere neue tauchen auf. Türen zum Raum werden nie geschlossen um ungestört zu sein, aber Störungen auch komplett toleriert. Da ist es manchmal mit der Effizienz solcher Treffen echt schwierig.

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Interessant war vor der Schule das Parksystem. Man parkt sich dort auf Straße, Gehweg und Parkstreifen in drei Reihen zu und es gab einen nicht wirklich vertrauenserweckenden Trupp, dem man wohl die Autoschlüssel übergibt, der diese dann in Pappschachtel sammelt und dann je nach Bedarf die Autos laufend rumrangiert. Für schwäbischen Autofetischisten eher undenkbar.

Danach gab es ein Meeting mit DOT wegen anstehenden Klientenbefragungen, die wöchentlichen Projektstati, Abschlußpräsentationsvorbereitung und Ausgabenerstattung (für Taxis, Züge etc.). Auch die Presseabteilung der IBM für Nordafrika forderte Informationen und Bilder zum Projektstatus und dem Community Day an, was nun durch jeweils die Teams geliefert werden muss. Zum Mittag im spanischen Restaurant habe ich heute mal Schwertfisch ausprobiert, sehr empfehlenswert.

Nachmittags war ich dann mit Frank die Bahntickets für Fes besorgen, wo wir Samstag/Sonntag sein werden und noch Souvenirs einkaufen. Osterfeiertage haben wir hier natürlich nicht und werden in Fes auch kaum Ostereier finden, nehme ich an. Abends gab es dann Sushi mit Kim, Dina und Annie und noch eine kleine Nachtschicht.

 

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#ibmcsc morocco

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